Burg Gronau bei Alsheim
(Bearbeitet von Emil Hettich, Aufsatz Chronik Rödersheim-Gronau 1978, aktuelle Redaktion und Ergänzung Sebastian Arnold).
Vorbemerkung
Der folgende Aufsatz fußt im Wesentlichen auf den Beitrag von Emil Hettich zur Burg Gronau im 1. Band der Ortschronik „Aus der Geschichte von Rödersheim-Gronau“, herausgegeben von Josef Zech aus dem Jahre 1978. Die abgebildeten Grundrissen und die Frontansicht zur Burg entstammen ebenfalls diesem Werk. Die Originale sind im Generallandesarchiv Karlsruhe verschollen. Der Originaltext wurde für diesen Aufsatz gekürzt und durch neue Überlegungen, insbesondere zum Alsheimer Kopf, am Ende des Aufsatzes ergänzt. Ein maßstabsgerechtes Modell zur Burg, im Folgenden mehrfach abgebildet, fertigte H. Kenzel im Jahre 1980 (vgl. entsprechender Hinweis zum Titelbild der Gedenkschrift von Emil Hettich und Josef Zech „Zerstörung der Burg Krone auf vor 200 Jahren, Rödersheim-Gronau 1995) nach detaillierten Vorgaben von Emil Hettich. Das Modell und die abgebildeten Exponate befinden sich im Museum Rödersheim-Gronau. Fotos und Abbildungen: Sebastian Arnold.
Ersterwähnung
Für die Region ist eine Burg Gronau bereits 1292 erwähnt. Die Ritter von Katzenelnbogen gelangten am 23.Juli in deren Besitz. Da beurkundet Friedrich von Frankenstein, Burgmann der Grafen von Katzenelnbogen geworden zu sein. Er leistet den Lehnseid und verspricht, seine Burg dem Grafen zu öffnen. Ob es sich hier um die Burg Gronau bei Alsheim handelt, ist jedoch nicht sicher.
„Unsere“ Burg Gronau lässt sich mit Sicherheit erst ab 1341 urkundlich nachweisen. Damals hieß sie Grunowe. Zu Beginn des Jahres 1341 hat der Ritter Heinrich Knebel von Katzenelnbogen, „Herr“ der Wachtenburg über Wachenheim, die Burg an den Pfalzgrafen bey rheyn verkauft und sofort als Lehen zurückerhalten (eine frühere Form der Kreditsicherung).

Der Kurfürst auf Burg Gronau, im „Kanaan“ des Herrschers
von Sebastian Arnold
Hettich zitiert in der Gedenkschrift „Zerstörung der Burg Gronau“ von einem Brief des Kurfürsten Karl Ludwig I vom 28.August 1669. Dieser berichtet seiner Frau von einem Reisezwischenaufenthalts auf der Burg Gronau von Mannheim nach Kaiserslautern.
Karl Ludwig konnte nach dem Dreißigjährigen Krieg die Kurwürde für die Pfälzer wieder gewinnen und die im Krieg zerstörte und entvölkerte Pfalz neu aufbauen und besiedeln. Die meisten heute „alteingesessenen“ Pfälzer sind Nachfahren der damaligen Einwanderer.
Er benannte das Gebiet um die Burg in dem Brief als sein „Kanaan“, das Land, in dem nach der Bibel „Milch und Honig“ fließen.
Mit dem Brief sandte der Kurfürst zwei Körbe mit Weintrauben von der Burg an seinen „Schatz“, seiner Frau Luise und seine Lieblingstochter aus erster Ehe, die damals 17-jährige Lise-Lotte (bekannt als Liselotte von der Pfalz), die zwei Jahre später an den Hof des französischen
„Sonnenkönigs“ Ludwig XIV heiratete.
„… Hiermit kommen auch zwey Botten mit zwey Körb mit Trauben aus unserem canaan, einer vor mein Schatz, der ander vor Lise Lotte… Ich habe meinen Bauch zimblich mit dergleichen gefüllt, ehe wir ins sawer-pierenland kommen, da werden wir herrling essen müssen…. Der Herr vom Hause (Christoph Andreas Freiherr von Wolzogen, dessen Tochter Eva zeitlebens ein gute Freundin von Lieselotte war)) hat guten Wein hergeben, ich aber die Speiss…“. (Hettich a.a.O. nach Holland, Wilhelm Ludwig: Schreiben des Kurfürsten Carl Ludwig und der Seinen, Tübingen 1884).
Die Gronauer Felder gaben also Trauben und die Pächter machten daraus Wein, die sogar einem Kurfürst wert waren, sie seiner Familie zu empfehlen.
Kurfürst Karl Ludwig I, ...
seiner zweiten Frau Luise von Degenfeld und ...
die damals siebzehnjährige Tochter Lise Lotte.
(Quelle: Wikimedia, Freie Enzyklopädie).
Lehensträger
Von 1363 an wurde die Burg Gronau bis ins 18. Jahrhundert von Kurpfalz verlehnt. Als Lehensträger trug Emil Hettich zusammen:
- 1363–1429 Knebel von Katzenelnbogen
- 1429–1600 die Herren von Handschuhsheim
- 1601–1607 Wambolt von Umbstadt
- 1607–1663 Knebel von Katzenelnbogen
- 1664– Heimfall des Lehens an Kurpfalz nach Verzichtleistung und Abfindung des Knebel
- 1664–1728 die Freiherren von Wolzogen
- 1728–1749 Helene Elisabeth Juliane Freiin von Venningen
- 1749–1780 die Freiherren von der Tann
- 1780–1798 Freiherr von Oberndorff (ab 1790 Graf von O.)
Bei den genannten Lehensträgern handelt es sich durchweg um bekannte Adelsgeschlechter. Die Knebel von Katzenelnbogen, ein ritterbürtiges Geschlecht, dürfen nicht mit den Grafen von Katzenellenbogen, die dynastischen Ursprungs sind, verwechselt werden. Eine genealogische Verbindung zwischen den beiden Familien besteht nicht.
Mit Christoph Freiherr von Wolzogen erlosch am 2. Februar 1728 die Missingdorffer Linie des Wolzogen’schen Geschlechts. Christoph von Wolzogen war zuweilen geistesgestört und ließ die Lehensgeschäfte zeitweise von der Verwandtschaft besorgen. Aus diesem Umstand sind verschiedentlich falsche Schlüsse gezogen worden. Nach dem Tode des Barons Wolzogen erhielt Helene Elisabeth Juliane Freiin von Venningen das Gronauer Lehen als Kunkellehen (Weiberlehen). Durch die Vermählung mit dem Freiherrn von der Tann wurde aus dem Kunkellehen jedoch wieder ein Mannlehen.
Architektur der Burganlage
In entgegenkommender Weise öffnete Dr. Fritz Graf von Oberndorff im September 1958 sein Privatarchiv zu Neckarhausen. Unter den vielen Archivalien über Gronau und Alsheim fanden sich dort auch Grundrisse der Burg und der drei Wohn-Stockwerke des sogenannten Hauptbaus.
Warum sind die erwähnten Grundrisse im Oberndorff’schen Archiv?
Franz Albert Leopold von Oberndorff, am 19. April 1790 von Kurfürst Karl Theodor in den Reichsgrafenstand erhoben, erwarb das Gronauer Lehen im Jahre 1780 für 24.000 Gulden. Kurze Zeit danach ließ er sich von einem Architekten Vorschläge unterbreiten für den Ausbau der Burg Gronau. In dieIsem Zusammenhang entstanden ein paar Grundrisse, die erhalten geblieben sind. Baupläne ließen sich früher nicht ohne weiteres in das übrige Archivmaterial einfügen und wurden deshalb oft vernichtet.
Über den Gebäudekomplex der Burg Gronau, oft auch Schloss oder Veste genannt, gibt der Gesamt-Grundriss Aufschluss. Dieser Riss stammt aus dem Jahre 1780 und zeigt neben dem Hauptbau, der von einem steinernen Zwinger umgeben war, das Wohnhaus für die Beständer, die Stallungen, einen Eckturm und die Doppelscheune.
Außerdem sieht man, zwischen den Gräben, das Backhaus und den Schuppen, der plangemäß neugebaut worden ist. Dieser Schuppen diente wohl als Zwischenlager für Lieferungen beispielsweise durch Zehntpflichtige, so dass diese den Gutshof nicht betreten bzw. befahren mussten. Der Innenbereich war entsprechend den Beständern und der Herrschaft vorbehalten.
Modell der Burg in der Übersicht von Südwesten aus gesehen. Der Turm unten lag in etwa am Rand der heutigen Bebauung des Obsthofes Scherner, die Ecke des angrenzenden inneren Burggrabens ist heute noch zu sehen. Der „Brunnen“ im Stallhof markiert in etwa die Lage des heutigen Grenzsteins.
Lageplan von 1780 mit Palas, landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden und den beiden Burggräben. Die Zugbrücken waren damals bereits durch feste Brücken und ein Tor am äußeren Graben ersetzt worden.
Erkennbar ist auch der Verbindungsgraben von innerem und äußeren Burggraben. Das Wasser wurde von Zeit zu Zeit abgelassen. Der Graben dürfte jedoch im Wesentlichen mit Grundwasser geflutet gewesen sein. Erkennbar ist auch der Zu- und Ablauf des äußeren Grabens in Richtung Stechgraben. Der äußere Graben ist mit einer Breite von rund 8 Metern und einer Tiefe von rund 2,5 Metern angegeben.
Aktuelle Situation im Gelände
Geländeansicht in Nordrichtung mit Blick auf den ehemaligen Zuweg mit Brücke und Torhaus.
Nordseite:
Dieser Gedenkstein für die alte Burg Gronau ward errichtet unter des erhabenen Freundes der Geschichte König Maximilian II von Bayern ruhmreicher Regierung im Jahre 1858 von dem jetzigen Besitzer des Grund und Bodens Freiherr von Wittendorf in Mannheim.
Westseite:
Auf dieser Stelle stand die seinerzeit erbaute Ritterburg Gronau, seit 1341 im Besitz des Kurfürsten und Pfalzgrafen bey rheyn aus dem erlauchten Hause Wittelsbach.
Südseite:
Zu Lehnen trugen von Churpfalz die Burg Gronau mit Alsheim durch vier Jahrhunderte die alte adelige Familien Knebel, Handschuhsheim, Volzogen, Venningen, von der Thann, Oberndorff.
Ostseite:
Zerstört ward die Burg Gronau in dem Revolutionskriege zu Ende des XVIIIten Jahrhunderts.
Nördliche Geländeansicht Richtung Osten, Standpunkt am noch sichtbaren inneren Graben der nordwestlichen Ecke.
Der Stechgraben wurde bei seiner Verlegung in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den inneren Graben geführt. Mit diesem Marker kann die Fläche rechts davon als ehemaliger Wall identifiziert werden. Der äußere Graben ist nicht mehr erkennbar.
Südwestliche Spitze des inneren Grabens. Im Winkel der Spitze befanden sich der Wachturm und die Schweineställe.
Innerer Burggraben, Südwestseite.
Innerer Bürggraben, Südostseite. Dieser und der Ostbereich ist durch intensiven Bewuchs und Verfüllung nur weitgehend verdeckt.
Lageplan über das aktuelle Luftbild gelegt.
Die Gebäude, mit Ausnahme von Backhaus und Schuppen, waren von zwei Wassergräben umschlossen, von denen der innere noch vorhanden ist. In den 40er Jahren des 20ten Jahrhunderts wurde der Stechgraben etwas nach Süden und der Wasserlauf in den nördlichen inneren Burggraben verlegt.
Der Lauf des äußeren Grabens lässt sich leicht rekonstruieren mit Hilfe der Karte Nr. 634, Staatsarchiv Speyer. Er wurde im Jahre 1818 eingeebnet. Jenen Abschnittsgraben aber, der den Hauptbau von den Wirtschaftsgebäuden trennte, ließ Freiherr von Oberndorff bereits im Jahre 1786 zuwerfen. Die Maße sind bekannt: der Graben war 100 Schuh (ca. 30 m) lang, 27 Schuh (ca. 8 m) breit und 8 Schuh (ca. 2,5 m) tief.
Wie aus den Akten des 17. und des 18. Jahrhunderts hervorgeht, waren die Gräben mit Karpfen besetzt. Beim Fischen wurde das Wasser einfach abgeleitet. 1765, bei einem „Ruggericht“ in der Burg Gronau, wurde den jungen Burschen „im Dorf und im Hof“ das Nachenfahren auf den Burggräben bei Strafe von 1 Gulden verboten. Als der Sohn des damaligen Hofbeständers Brennemann am Abend des 6. Dezember 1777 in einen der Gräben gefallen war, konnte er erst am Nachmittag des 7. Dezember tot geborgen werden.
Über die Brücken gibt ein Faszikel im Archiv Oberndorff Auskunft. Die Burg Gronau hatte ursprünglich Zugbrücken, die am Ende des 18. Jahrhunderts durch feste Brücken ersetzt wurden. Der Zimmermeister Philipp Huber aus Lambrecht baute nach dem Abbruch der alten Zugbrücke „gegen dem Haus“ eine Eichenholzbrücke mit steinernen Pfeilern „nach Art der Rheinschanzbrücke“ (Länge: 30 Schuh 6 Zoll, ca. 9 m); Breite: 13 Schuh 3 Zoll, ca. 4 m). Die Brücke wurde im August 1782 fertiggestellt und von dem Freiherrn von Oberndorff persönlich inspiziert.
den gantzen Fliegelbau Scheuren, in welchem zwey große, allwo auch eine große und kleine Stallung befindlich.
Ausschnitt Lageplan 1780 (Original Landesamt für Vermessung Rheinland-Pfalz, Nebenstelle Neustadt). Der Zugang zur Burg mit den Zugbrücken liegt im Norden des Areals. Südlich der Burg ist wohl ein Weinberg eingetragen. Die östliche Fläche kann als der erwähnte „Lustgarten“ angesprochen werden.
Der folgende Situationsplan zeigt den Lageplan von 1785 überlagert der Orientierungspunkte
- Noch vorhandene Grabenreste,
- Gedenkstein
- vorhandene Bebauung Obsthof
Außerdem wurden die Gebäudebezeichnungen übertragen.
Lageplan mit aktuellen Orientierungsmarkern (gelb) im Gelände.
Das Palas – Hauptbau
Diese Frontansicht aus den Oberdorffschen Archiven zeigt die Ansicht nach dem geplanten Umbau. Sie unterscheidet sich vom Bestand direkt vor der Zerstörung durch das mittig liegende Portal. Im Bestand liegt – nach den vorliegenden Bestandsgrundrissen – der Eingang rechts davon.
Der Hauptbau der Burg war nach den Mayer’schen Rissen aus dem Jahre 1784 ein dreistöckiges Gebäude, dessen linker und rechter Flügel den Innenhof bildeten. Die Länge dieser Hausanlage belief sich auf 82 Schuh (ca. 23,5 m), die Höhe auf 61 Schuh (ca. 18,5 m). Wenn in den Akten von der „Burg“ oder dem „Schloss“ die Rede ist, dann wird damit vielfach dieser Hauptbau bezeichnet.
Sehr zu beachten ist in diesem Zusammenhang eine „Specification“, in der es u. a. heißt: „Die Burg Gronau steht noch auf den alten Fundamenten mit Dach und Fach, außer über dem Thor eine neue Stube vor 20 Jahren erbauet, mit einem steinernen Zwinger umgeben, einem Thor und aufziehenden Brücken“. Die Stärke des Gemäuers ist nicht bekannt.
Beim Vergleich der Bestandsbriefe fällt auf, dass sich die Freiherren von der Tann vom Hauptbau der Burg Gronau lediglich die „zwei Stuben am Thor linckerhand und die Kammer über dem Thor“ vorbehielten, während Freiherr von Oberndorff den ganzen Bau von allem Anfang aus dem Bestand ausklammerte.
Dies zeigt, dass die Räume im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlichen Nutzungen unterlagen und auch kurzfristig durch umräumen der Möbel umfunktioniert werden könnten. Lediglich in der Nutzung der Geschosse zeigt sich eine Konstanz.
Die in den folgenden Plänen angegebenen Maße sind aus den zwei bekannten, o.g. Werten abgeleitet. Sie sind deshalb lediglich ungefähre Angaben und entsprechend gerundet.
Für den Dachstuhl ist kein Grundriss vorhanden, es dürfte aber ebenfalls zumindest bedingt als Lager nutzbar gewesen sein.
Beachtenswert ist, dass der Zugang zu den oberen Geschossen nur über die Wendeltreppe im östlichen Turm möglich war. Damit waren diese Bereiche des Palas gegen Eindringlinge gut zu verteidigen. Das Dachgeschoss ist damit zweckmäßigerweise auch als Waffen- und Wertsachenlager anzusprechen.
Besondere Merkmale im Erdgeschoss sind der Keller/Lager. Es gab (ausgenommen eine kleinere Kammer mit direktem Zugang von der Küche aus, passend zum Lagern von Wurzelgemüse) keinen Keller unter Wasserniveau, wohl aus Gründen der Feuchtebelastung des Bodens. Das Lager war nach schriftlichen Äußerungen aber zweistöckig mit einem eingezogenen Holzboden.
Die Räume mittig waren mit der Beschreibung dem Gesinde und dem Kochen vorbehalten, während die drei Räume rechts heutigen Büro- und Besprechungsräumen gleichzusetzen sind. Sie dürften auch der Übernachtung weniger hochstehenden Gästen gedient haben. Öfen in der Küche, dem Gesinde- und dem Empfangszimmer sprechen für eine entsprechend zweckmäßige Ausstattung. Im Erdgeschoss gab es keine Toiletten, hier waren wohl die Burggräben als Abort vorgesehen.
Das 1. Obergeschoss ist in der Raumaufteilung, insbesondere für die private Nutzung der Herrschaft, geplant. Die als Schlafzimmer im linken Trakt bezeichneten Räume verfügen über eigene Heizungen und damit über größeren Komfort. Gegebenenfalls sind diese Räume auch multifunktionaler gedacht worden, zum Beispiel wie im zweiten OG als Nebenraum zum kleinen Saal. Sicher sind die Flügel auch als getrennte Schlafräume der Eheleute anzusehen – üblich in dieser Zeit, wo Ehen selten aus Liebe geschlossen wurden. Hier kann das „Wohnzimmer“ im rechten Flügel sicher auch als weiteres Schlafzimmer und der Nebenraum als Kinderzimmer genutzt worden sein. . Im linken Flügel wäre damit Platz für den Herrn und seine Mätresse. Der kleine Saal wäre dann als Wohnzimmer, das Vorzimmer auch als Esszimmer denkbar. Beide Flügel bieten getrennte Aborte, so dass auch hier eine entsprechende Trennung gegeben ist.
Das 2. Obergeschoss, das auch schriftlich „wegen der tollen Aussicht“ besonders betont wird, eignet sich besonders zur Beherbergung hochrangiger Gäste und für das Abhalten von Festen und Events mit geladenen Gästen. Auch hier bestand die Möglichkeit, Gäste intim und in den Flügeln getrennt übernachten zu lassen – auch nach dem Abschluss entsprechender Feiern und Gelagen. Die Fenster zeigen in Richtung Haardtgebirge sowie zum Rhein und bieten entsprechend tatsächlich eine besondere Aussicht. Auch hier bieten zwei Aborte kurze Wege, um dringende Bedürfnisse zu erledigen. Sechs Heizungsanlagen, davon ein offener Kamin im Festsaal, betonen den Komfort gerade auf dieser Etage.
So können die Gäste im „Vorplatz“ begrüßt werden. Sie warten dann im Vorzimmer, bis die Herrschaft sie im Festsaal begrüßt. Das Nebenzimmer eignet sich bestens, um Speisen und Getränke bereit zu stellen, wenn der Festsaal zum Essen oder auch zum Tanzen hergerichtet ist. Aber auch hier zeichnet sich die Raumaufteilung durch hohe Flexibilität in der Nutzung aus.
Die Pächterwohnungen und landwirtschaftlichen Betriebsgebäude
Backhaus und „Zehntscheune“ im Zugangsbereich der Burg, im Hintergrund das Burgtor mit den Beständerwohnungen. Der Begriff „Beständer“ ist mit dem heutigen Begriff „Pächter“ gleichzusetzen.
Gebacken wurde sicher auch in der Küche im Erdgeschoss des Palas. Das Backhaus außen diente wohl vor allem dem Gesinde, das außerhalb der Burg in Alsheim lebte und arbeitete (Dort ist ein eigenes Wohnhaus des Gesindes bezeichnet, heute Schlossstraße 2). Ob auch die anderen Alsheimer dort ihr Brot backten, ist nicht bekannt, es ist jedoch zu vermuten. Die üblichen großen Brotbacköfen hatten in den regulären Küchen der Wohnhäuser keinen Platz.
Im Jahre 1758 beschrieb der Tann’sche Konsulent Johann Friedrich Jacob Burckhardt die Gebäude, die den Beständern als Wohnung und als Stallung für das Vieh dienten, wie folgt:
„Im untern Stockwerck deß Hofhaußes
- zwey Stuben,
- zwey Kammern, zu Keller brauchend,
- zwey Küchen.
Im Obern Stockwerck
- zwey Stuben,
- zwey Kammern,
- zwey Küchen.
Unter diesem Hauß
- 3: Stallungen zu pferdt, ochßen, und kuh,
- 4 wohlgemachte, und zwey verfallene Schweineställe beim Thurm und 4 in dem Hof,
- ein Gesind Kammer.“
Blick auf die Innenseite des Burgtors mit den Eingängen der Beständerwohnungen und der Brücke zum Palas.
Wachtturm zu Alsheim mit angrenzenden Schweinestallungen und Misthaufen.
Innenhof des Landwirtschaftsbetriebes. Der Brunnen ist nicht nachgewiesen, markiert aber die ungefähre Position des heutigen Gedenksteins.
Fundbestand im Museum Rödersheim-Gronau
Nachdem es im Depot der GDKE keine Funde zur Burg Gronau gibt, sind die wenigen Exponate zur Burg im Museum Rödersheim-Gronau die einzigen Fundstücke, die nicht in privaten Verstecken verborgen, sondern der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Funde stammen aus dem Nachlass von Emil Hettich, der die Stücke bereits jetzt dem Museum überlassen hat.
Es handelt sich jedoch nur um eine Küchenfliese, eine Dachschindel, einige Eisenkleinteile, die von Heinrich Binder im Uferbereich des Stechgrabens gefunden wurden. In der Umgebung fanden sich noch eine Reihe von Musketenkugeln. Der Alsheimer Kopf, der wohl ebenfalls der Burg zuzurechnen ist, wird getrennt betrachtet.
Küchenfliese, ca. 13 x 13 cm.
Schiefer-Dachschindel, ca. 14 x 19 cm, vermutlich aus der Eindeckung des Treppenturms.
Schäden & Sanierungsaufwand
Über den Grad der Zerstörung im Bauernkrieg lässt sich heute kaum mehr etwas sagen. Am Ende des 18. Jahrhunderts war sein baulicher Zustand nicht der beste. Hierüber liegen mehrere Berichte vor:
In einem Bestandsbrief aus dem Jahre 1706 heißt es, die Burg sei „von der französischen Kriegsweßen zimblicher maßen Ruiniert worden“. Im April 1719 schenkt Christoph Freiherr von Wolzogen seinem Amtmann Balthasar Wernigk „zwei Morgen Ackerfeld in Ansehung seiner in vorigen als letzten Französischem Landverderblichen Krieg, wie auch jederzeit der Burg Gronau, vor der gänzlichen Zerstörung erhalten, dieselbe in denen höchsten Gefahren nicht verlassen geleisteten Diensten“.
Ein Brief des Freiherrn von Wolzogen an den Kurfürsten berichtet über die Schäden und ihre Beseitigung: „Das Schloss Gronau ist am Dachwerck durch die aufm fuß gefolgten gantzlichen Trohenden Stürme... dergestalt baufällig geworden, dass es zum Zusammenfall – und damit erfolgenden allzugroßen Trohenden – nicht ohne die ohnumbgängliche nöthige reparation länger bestehen kann, wozu deshalben ... über hunderte Stamm Holz an allerhandt gattung erfordert werden“.
Die einmal vorhandenen Schäden sind nie vollständig behoben worden. Der Bericht des Baumeisters Moll aus Grumbach vom März 1752 beweist dies. Da heißt es: „So ist a) der Hauptbau überhaupt schlecht und unförmlich beschaffen, auch außer einem oder zwey Zimmern von Herrschaften nicht zu bewohnen“. Unter Punkt d) des Berichts wird der Zustand des Turms gestreift: „In maßen alle Zapf Ziegel und schwellen morsch und faul sind, sogar dass in verschiedenen Jahren her kein Schiferdecker denselben mehr zu besteigen sich getrauet hat“.
Bei Punkt e) fährt Moll fort: „Die Speicher und Böden, allwo der Zeit die Herrschaftlichen Früchte liegen, sind dermaßen an Ziegel, Gebälck und anderem Dachholz ruinos, dass woferne nicht in Zeiten vorgesorgt wird, der gantze Dachstuhl zum sinken und weichen in Gefahr stehet“.
Gleichzeitig wird erwähnt, dass der Zustand der Wirtschaftsgebäude auch nicht besser sei. Zugleich ist die Rede von der „in Steinen zwar wohl fundierten, ansonsten aber sehr veralten Burg Gronau“.
In den noch zahlreich vorhandenen Kellerei-Rechnungen im Archiv Oberndorff werden die für Ausbesserungsarbeiten an der Burg aufgewandten Beträge genau ausgewiesen. Für drei schadhafte Balken, die der Zimmermeister Wolfgang Berger aus Ellerstadt im „Großen Zimmer im Schloss“ ersetzte, erhielt er 3 Gulden und 48 Kreuzer. „Zu bevestigung des Durchzugs“ im Hauptbau der Burg richtete Berger bei dieser Gelegenheit (1759/1760) eine hölzerne Säule auf. In den Jahren 1762/63 wurde die Mauer um die Burg ausgebessert. Schieferdecker Häubel reparierte wieder einmal das Dach des Hauptbaus. Die Eintragungen dieser oder ähnlicher Art häufen sich in den Akten. Es kann sich jedoch nur um Flickwerk gehandelt haben; denn im Jahre 1781 bezeichnet ein Mannheimer Baumeister den Zustand der Burg als baufällig. Drei Jahre später reicht der schon erwähnte Mayer aus Mannheim einen Voranschlag für die Erneuerung der Burg ein. Bei Beibehaltung der Wendeltreppe veranschlagt Mayer die Kosten für das Ausbessern des Hauptbaus auf 3.541 Gulden. Sofern die alte „Schneken-Stieg“ ganz „evidiret“ und durch eine „Haubtstieg“ ersetzt wird, belaufen sich die Kosten auf 4.146 Gulden. Die Ausbesserungs-Kosten für die Wirtschaftsgebäude werden auf 357 Gulden 56 Kreuzer geschätzt.
Umbaupläne
Oberndorff wollte die Burganlage um jeden Preis schöner gestalten. Architekt Mayer machte ihm den Vorschlag, den inneren Graben ganz zuzuwerfen und die auf diese Weise gewonnene Fläche hinter dem Hauptbau als Schlossgarten, den Rest als „Schloss Plaz“ zu verwenden. Ein Weg mit zwei Baumreihen, als Allee gedacht, sollte dem Schlossdistrikt, eingefangen von dem auf 12 Schuh Breite verringerten äußeren Graben, ein angenehmeres Aussehen geben. Die Pläne des Freiherrn von Oberndorff konnten nicht verwirklicht werden. Die Ereignisse von 1792 setzten seinem Vorhaben ein Ende.
Zerstörung und spätere Nutzung als Steinbruch
Am 14. November 1795 brannten die Österreicher die Burg nieder. Die Zerstörung fällt also in jenen Zeitabschnitt des Revolutionskrieges, da die Franzosen Mannheim entsetzen wollten und von den Österreichern zurückgeschlagen wurden. Graf von Oberndorff erlitt zuvor beträchtlichen Schaden in Laumersheim, wo die Franzosen 1794 sein Schlösschen ausraubten. Im Jahre 1795 wurden seine Häuser in Neckarhausen und Edingen geplündert. Am 4. Mai 1796 musste Oberndorff Mannheim verlassen und nach Neuburg ziehen. In seinem Brief vom 16. April 1796 an den Grafen Vieregg betont er, dass die Wiederherstellung der verwüsteten Gebäude „durchaus“ seiner persönlichen Aufsicht bedürfe. Der Weggang des Grafen von Oberndorff besiegelte das Schicksal der Burg Gronau endgültig. Sie erstand nicht wieder Uns bleibt nur noch die Frage, was aus den Ruinen geworden ist. Im August 1798 schreibt Veit Apé, der Alsheimer Gerichtsschreiber, an das „Hochlöbliche Amt“ und unterrichtet es davon, dass verschiedene Altheimer Bürger „ohn angefragt und eigenmächtig“ Steine aus der Burg geholt hätten. Die darauf eingeleitete Untersuchung ergab, dass die Menge der entwendeten Steine unbedeutend war.
Die Burgruine wurde später aber systematisch abgetragen, hauptsächlich im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. In den Wirtschaftsbüchern der Gronauer Gutsverwaltung finden sich zahlreiche Eintragungen folgender Art: „Den 24. May 1818 dem Johann Brennemann und Consorten für 50 Klafter Steine im Schlosse zu brechen bezahlt 75 Gulden“. – „Den 14. Juni 1818 dem Johann Franz d. j. von Alsheim und Cons. für 21 Klafter Steine im Schloss zu brechen bezahlt 31 Gulden und 30 Kreutzer“. Die Steine wurden zum Teil zur Renovation der „Krämer’schen Hofreite“ gebraucht, in der Hauptsache jedoch zum Bau der „Großen Scheune“, die 1907 abbrannte.
In dem Werk „Die Baudenkmale in der Pfalz“ wird auf diese Scheune hingewiesen: „Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts (= 19. Jahrhundert) wurden die letzten Mauerreste (der Burg!) zur Erbauung einer noch bestehenden Scheuer in dem Orte Alsheim verwendet“. Die genannten Mauerreste waren in Wirklichkeit bis ins 4. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu sehen. Selbst wenn die Karte des Geometers Bracker aus dem Jahre 1823 mit der eingezeichneten Burgruine Gronau nicht als absolut sicheres Beweismittel für das Vorhandensein der Ruinen im 3. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts anerkannt werden sollte, so ist doch Heinrich Krebs zu glauben, der in der Sage „Die versunkenen Schlossglocken zu Gronau“ erzählt, dass er als Kind noch in den verfallenen Burgmauern gespielt hat. Der Vater von Heinrich Krebs (Konrad K.) war Lehrer an der Alsheimer Schule und heiratete 1823 Anna Maria Apé, Tochter von Veit Apé. Um 1840 waren auch die letzten Burgreste verschwunden. In seinem Reise-Handbuch von 1841 schreibt Karl Geib: „… und etwas weiterhin das Dörfchen Alsheim, bei dem sich die nun ganz eingegangene Burg Gronau befand“.
Im Jahre 1858 ließ Freiherr von Bettendorff auf dem Burggelände einen Gedenkstein errichten. Dieser Stein und ein Wassergraben mit Schilf und Liesch erinnern an die Burg Gronau.
Grabung 1995
(Sebastian Arnold nach den Ortsakten GDKE Speyer, Fotos: GDKE Speyer)
Auf dem Gelände wurde im Sommer 1995 von der GDEKE eine Grabungskampagne durchgeführt. Die Ergebnisse sind in den Ortsakten der GDKE Speyer dokumentiert.
Kurz zusammengefasst:
- Es wurden keinerlei Fundstücke ergraben, die eine Sicherung wert gewesen wären.
- An Mauerresten wurde lediglich ein Fundamentrest des Treppenturms freigelegt.
- Es gab auf der Burg keinen „Keller“ im heutigen Sinn. Die gegebene Bezeichnung versteht sich als „Lager“. Die verfüllten Fundamentabtiefungen reichen gerade mal 50 bis 65 cm unter den heutige Bodenoberfläche.
- Die in den vorhandenen Plänen angegebenen Maße haben sich mit der gefundenen Lage der Fundamentabtiefungen bestätigt.
- Sondierungsschnitte ergaben für den inneren Burggraben eine Tiefe von 2 Metern.
Blick auf den 24 m langen Sondierungsgraben mit dem Fundamentrest des Treppenturms. Im Hintergrund als Orientierungshilfe der Gedenkstein und das Lager des Obsthofes Scherner.
Detailaufnahmen zum Fundamentrest. (Fotos zur Grabung: GDKE)
Relikt: Der „Alsheimer Kopf“
In den Jahren vor der Erstellung des ersten Bandes der Ortschronik ab 1975 fand Friedrich Binder, u.a. Co-Autor des ersten Bandes der Rödersheim-Gronauer Ortschronik, im Gelände westlich der Burg Gronau, am Verlauf des Stechgrabens, in 50 bis 60 cm Tiefe ein seltsames Artefakt: Eine eher skurril geformte, grob gehauene Kopfbüste eines Mannes mit großen Augen und Ohren, einem ausgeprägten Doppelkinn und seitlich gestrecktem Hals.
Gemeinsam mit dem Heimatforscher Emil Hettich versuchten sie, so der Bericht von Herrn Hettich, von Experten Informationen über den Zeitpunkt der Entstehung zu erhalten. Sie erhielten verschiedenste Thesen, von der Kelten- und Römerzeit bis zur Neuzeit. So ist der Kopf bis heute ein Rätsel der Ortsgeschichte.
Im Zuge dieser Arbeit wurde der Kopf nun erneut einer Betrachtung unterzogen. Nun wurde aber vor allem die Frage gestellt, welchen Zweck diese Büste hatte. War sie reine Dekoration, bildete sie einen konkreten Menschen ab oder steckte ein tieferer Zweck in der Figur?
Die Figur wurde aus einem einzelnen Sandsteinblock gehauen. Sie ist etwa 29,5 cm hoch, der Sockel misst näherungsweise rechteckig ca.16 cm x 12 cm.
Die Ausführung ist von einem in den Steinblock eingeschlossenen Kiesel gestört. Er befindet sich im Bereich des Sockels senkrecht in Richtung Hals. Der Kiesel ragt zudem ca. 4 mm unter dem Sockelboden heraus. Der Kiesel hatte jedoch anscheinend keine Bedeutung für die letztendliche Ausformung.
Der Block zeigt keine Bohrungen, die auf eine besondere Befestigungstechnik hinweisen. Es sind auch keine Mörtelreste zu sehen, die auf eine Einmauerung deuten. Lediglich eine Abkantung im Sockelbereich auf Seite des Hinterkopfs deutet darauf hin, dass der Kopf mindestens an einer Seite an eine Wand gestellt wurde. Der Sockel zeigt weiterhin eine Kerbe auf der Rückseite im Sockelbereich rechts, der etwa 5 cm in die Figur hineinreicht. Auch hier sind keinerlei Hinweise auf eine Befestigung augenscheinlich oder sensorisch erkennbar. Es könnte lediglich ein Fehler des unbehauenen Steinblocks sein. Auch eine Ausformung wegen Unregelmäßigkeiten des Aufstellbodens wäre denkbar, allerdings sind in den Kerbe keine Behauspuren sichtbar. Der Sockelrand ist an der Vorderseite und fortlaufend teilweise auf beiden Seiten senkrecht auf etwa ein Zentimeter mit Einkerbungen verziert. Das Fehlen der Kerben im weiteren Verlauf weist darauf hin, dass der Aufstellort bereits bei der Ausführung des Kopfes bekannt war. Es erscheint daher eher wahrscheinlich, dass der Kopf auf einem Pfosten stand und nicht in einer Mauernische.
Eine Fassung der Figur, also eine Bemalung, kann nur mit einer labortechnischen Untersuchung geprüft werden. Es sind jedoch weiße Schleier auf der Oberfläche an mehreren Stellen erkennbar. Ein Abriebtest zeigte keine Hinweise auf Salzausblühungen, so dass mindestens eine weiße Fassung mit ergänzenden gelben Flächen, zum Beispiel im Bereich der Ohren, denkbar ist.
In der Ausformung ist der Hals deutlich gestreckt und leicht nach rechts gezogen. Das weist auf eine Position in der Wand an einem linken Mauereck hin, sinnvollerweise an eine Tor- oder Türdurchbruch.
Die Ausformung des Kopfes zeigt mit vergleichsweise wenigen und groben, langgezogenen Kerben eine streng nach hinten gekämmte Frisur. Diese einfache, grobe Ausführung zeichnet die komplette Büste aus. Die Ohren sind übergroß, ebenso sind die Augen markant ausgeformt. Es kam hier nicht auf feine Elemente an, sondern auf ein gute Sichtbarkeit auch auf größere Distanzen hin. Bedeutung wohl: „Ich sehe und höre dich“. Ein markantes Doppelkinn weist auf „gut genährt“ und damit kraftvoll hin: „Ich bin kein Schwächling“.
Schließlich ist der Kopf relativ klein und langgezogen: ein Anschein des gnomenhaften und damit auf ein Wesen mit übernatürlichen Kräften.
Es gibt über die Büste selbst hinaus nur der Hinweis auf den oben genannten Fundort. Dieser legt nahe, dass sie im Zusammenhang mit der Burg oder eines der naheliegenden Gebäude zu sehen ist. Weiter wurde sie anscheinend vergraben – ein Hinweis dafür, dass der Kopf nicht, wie alle anderen Steine der Burg, zum Bau von Scheunen und Häuser in Alsheim verwendet wurde. Vergraben oder begraben werden Artefakte, wenn ihnen ein mystischer Gehalt zugestanden wurde, so dass sie entweder rituell, zu wertvoll oder zu gefährlich erschienen. Der goldene Hut von Schifferstadt ist ein prominentes Beispiel – aber auch jeder Leichnam zählt dazu.
Große Ohren, große Augen umd eine verdrehte Haltung weisen zunächst auf eine Funktion hin. Die Gestaltung insgesamt deutet kunstgeschichtlich auf manieristische Einflüsse hin.
Der Kopf scheint etwas „um die Ecke zu schauen“.
Der Fuß zeigt keine Halte- oder Montagelöcher, es sind auch keine Mörtelspuren am Stein: Der Kopf war nur lose aufgestellt.
Welche Objekte im Bereich von Gebäuden haben ähnliche Eigenschaften oder Merkmale?
Alt-Berliner Neidkopf.
Kaak-Skulptur.
Tatsächlich finden sich Entsprechungen, sogar in größerer Stückzahl. Sie werden in der Forschung als Neidköpfe bezeichnet. Im Gegensatz zu Fratzen in halbplastischer Ausführung, den Maskaron, sind Neidköpfe dreiseitig oder in Vollplastik ausgeführt. Beispielhaft sind hier drei Objekte benannt.
Prominent und immer wieder genannt sind der Alt-Berliner Neidkopf aus dem 18. Jahrhundert, die Kaak-Skulptur (ebenfalls in Berlin am alten Rathaus) oder auch der hölzerne Neidkopf am historischen Zollhaus zu Lenterode in Thüringen (alle Fotos Wikimedia, rechtefreie Nutzung).
Neidköpfe dienten der Abwehr von Schadzaubern und „bösen Elementen“. Die Autoren des Beitrags in Wikipedia zu dem Begriff „Neidkopf“ schreiben dazu: „Der Neidkopf soll nach Volkes Glaube das Unheil und Böse abwehren. Die bösen Mächte und Geister sollten den Menschen in den damit bedachten Gebäuden nichts neiden und sie damit nicht gegen die Bewohner aufbringen…Neidköpfe befanden sich besonders an nach Westen ausgerichteten Pfeilern und Gebäudeteilen, da die Dämonen hauptsächlich dort vermutet wurden.“
Interessant erscheint dabei, dass der Brauch der Neidköpfe zwar mit keltischem Ursprung vermutet wird, diese jedoch bis ins 19. Jahrhundert hin aufgestellt wurden. Für den Alsheimer Kopf bedeutet dies, dass aus der Bestimmung als Neidkopf kein Entstehungszeitraum abgeleitet werden kann. Mit den Hinweisen, dass der Kopf wohl nicht in einer Mauernische platziert wurde, sondern auf einem bestehenden Pfostenkopf, weist darauf hin, dass er erst nach Bau der Burg gehauen und gefasst wurde. Zumindest ist damit ein römischer oder keltischer Ursprung wenig wahrscheinlich, eher eine Entstehung nach dem Bau der Burg. Allerdings kann ein Entstehungszeitraum bis in die Neuzeit nicht ausgeschlossen werden. Die höchste Wahrscheinlichkeit für die Entstehungszeit ergibt sich damit für das späte Mittelalter bis zur frühen Neuzeit.
Was kann nun aus den bisherigen Betrachtungen abgeleitet werden?
Im Prinzip begründete Vermutungen, Beweise fehlen. Aber solange keine weiteren Fakten und Informationen gefunden sind, können die folgenden Thesen angenommen werden:
Sie war augenscheinlich maskenhaft weiß gefasst mit weiteren farbigen Hervorhebungen.
Die Gesamtkonzeption des Kopfes mit Betonung bestimmter Eigenschaften und entsprechender Verformung des „natürlichen Bildes“ ist ein Merkmal der kunstgeschichtlichen Epoche des Manierismus. Diese fällt in die Zeit nach der Renaissance ungefähr zwischen 1520 und 1620 und damit vor dem Barock. Zu den wichtigsten Künstlern zählt beispielsweise Michelangelo mit seinen Spätwerken. Damit wäre der Kopf also in das späte 15. Jahrhundert zu datieren und so über 400 Jahre alt.
Sie befand sich nach dem Fundort im Bereich des Eingangs, bzw. der Zugbrücken. Die Büste stand auf dem linken Pfosten einer Maueröffnung, wahrscheinlich am Torpfosten des Eingangstores hinter der Zugbrücke.
Beim Abriss der Burg wurde der Figur noch immer so viel Respekt gezeigt, dass sie nicht vermauert oder zerschlagen, sondern vergraben wurde.
Mit diesen Indizien kann die These begründet werden:
Die Büste ist ein sogenannter Neidkopf und diente damit als Gebäudeamulett, als Torwächter zur Abwehr von bösen Mächten, Dämonen etc., die von ihm vom Zugang zur Burg abgeschreckt werden sollten.
Quellenhinweise
Hettich, Emil: Die Burg Gronau. In: Zech, Josef (Bearb.): Aus der Geschichte von Rödersheim-Gronau, Rödersheim-Gronau 1978, Seite 59 bis 73, insbesondere Seite 61 bis 67.
Hettich, Emil und Zech, Josef: Zerstörung der Burg Gronau vor 200 Jahren, Gedenkschrift Ortsgemeinde Rödersheim-Gronau 1995.
Korrespondenzen Emil Hettich und Josef Zech zur Burg, Thesen zur Vorgeschichte und Alsheimer Kopf, Archiv Museum Rödersheim-Gronau.
Puhl, Hubert: Über die Geschichte der untergegangenen Wasserburg Gronau. Manuskript zu Vortrag anlässlich des 200.Jahrestages der Zerstörung der Burg Gronau, gehalten am 18.November 1995.
Abkürzung:
GDKE Speyer: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Außenstelle Speyer.
Burganlage aus Sicht des Dorfes Alsheim.



































